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Leben im Allgäu

Weißwasser: Ein grünes Reiseziel zwischen Wald, Wasser und Glaskunst abseits der Alpen

Wenn Sie an Ihren nächsten Kurzurlaub denken, führt der Blick oft zuerst in die Berge: alpine Gipfel, klare Bergseen, urige Almhütten. Doch Deutschland hat landschaftlich weit mehr zu bieten als seinen alpinen Süden. Im äußersten Osten Sachsens, nur wenige Kilometer von der polnischen Grenze entfernt, liegt eine Region, die vor allem eines verspricht: Ruhe, Natur und eine Kulturgeschichte, die sich von bekannten Urlaubszielen deutlich unterscheidet. Die Oberlausitz mit der Stadt Weißwasser ist ein Ziel für alle, die abseits ausgetretener Pfade unterwegs sein möchten.
Große, zusammenhängende Waldgebiete prägen die Landschaft der Oberlausitz (Symbolbild). Bildquelle: Unsplash

Die Oberlausitz – eine grüne Reiseregion im Osten Sachsens

Die Oberlausitz bildet den östlichsten Zipfel Sachsens und grenzt unmittelbar an Polen. Wer bislang vor allem den Sommer im Allgäu für die warme Jahreszeit im Blick hatte, findet hier einen reizvollen Kontrast: statt alpiner Steillagen sanft gewellte Wälder, statt Bergbahnen stille Rad- und Wanderwege. Zwischen Spree und Neiße erstrecken sich weitläufige, zusammenhängende Waldgebiete – Heide, Kiefern und stille Wege, so weit das Auge reicht.

Besonders reizvoll ist der landschaftliche Wandel, den die Region seit Jahren durchläuft: Wo einst Braunkohle in riesigen Tagebauen gefördert wurde, entsteht mit dem Lausitzer Seenland eine völlig neue Wasserlandschaft. Geflutete ehemalige Abbaugebiete verwandeln sich Schritt für Schritt in Badeseen, Erholungsgebiete und Lebensräume für seltene Tiere. Für Radfahrer, Wanderer und Wassersportler ergeben sich dadurch Möglichkeiten, die in dieser Kombination aus gewachsenem Wald und jungem Wasser ihresgleichen suchen.

Aktive Urlauber finden beste Bedingungen vor: Flussbegleitende Radwege entlang von Spree und Neiße verbinden Orte und Landschaften, ausgewiesene Wanderwege führen durch Heide- und Waldgebiete, und die neuen Seen öffnen die Region zunehmend auch für Segler, Angler und Badefreunde. Wer es ruhiger mag, findet in den kleinen Städten der Umgebung Fachwerk, Backsteinkirchen und regionales Handwerk.

Weißwasser – Stadt mit sorbischen Wurzeln und Glastradition

Am Rande dieser Waldlandschaft liegt Weißwasser, amtlich Weißwasser/O.L., eine Große Kreisstadt im Landkreis Görlitz. Die Stadt befindet sich im angestammten Siedlungsgebiet der Sorben, einer westslawischen Minderheit, die die Lausitz seit Jahrhunderten kulturell prägt. Auf den Ortstafeln erscheint der Stadtname daher zweisprachig: Běła Woda, übersetzt „weißes Wasser“, lautet die obersorbische Bezeichnung. Wer aufmerksam durch die Straßen geht, begegnet dieser lebendigen Tradition an vielen Stellen – von zweisprachigen Hinweisschildern bis zu Bräuchen im Jahreslauf.

Das bekannteste Beispiel ist das Osterreiten, bei dem festlich gekleidete Reiter am Ostersonntag die Osterbotschaft in die Nachbarorte tragen. Solche Traditionen machen deutlich: Die sorbische Kultur ist hier kein Folklore-Programm für Besucher, sondern gelebter Alltag.

Wer die Stadt über ein Wochenende oder gleich mehrere Tage erkundet, merkt schnell, dass ein kurzer Zwischenstopp zu kurz greift. Eine charmante Pension in Weißwasser bietet sich als ruhiger Ausgangspunkt an, von dem aus sich Stadt und Umgebung gleichermaßen entspannt erschließen lassen – ohne lange Anfahrten und ohne den Trubel großer Tourismuszentren.

Wirtschaftlich wurde Weißwasser über Generationen von der Glasindustrie geprägt. Die Stadt galt als eines der Zentren der Lausitzer Glasherstellung; in den Glashütten der Umgebung entstanden Trinkgläser und Gebrauchsglas, die weit über die Region hinaus verkauft wurden. Auch wenn sich die industrielle Landschaft inzwischen stark gewandelt hat, ist die Erinnerung an diese Tradition allgegenwärtig – sie prägt bis heute das Selbstverständnis der Stadt.

Das Glasmuseum Weißwasser als kulturelles Highlight

Das anschaulichste Zeugnis dieser Glasmachergeschichte bewahrt das Glasmuseum Weißwasser. Untergebracht ist es in der Forster Straße 12 in der Villa Gelsdorf, einer ehemaligen Glasfabrikantenvilla, die allein mit ihrer Architektur einen Eindruck vom wirtschaftlichen Gewicht der Branche vermittelt. Die Sammlung umfasst Zehntausende von Exponaten und dokumentiert die Entwicklung der Lausitzer Glasindustrie von ihren handwerklichen Anfängen bis zur industriellen Fertigung.

Die Ausstellung gibt einen Überblick über die Vielfalt der Glaserzeugung in der Region und zeigt, wie eng Handwerk, Design und Alltagskultur hier über lange Zeit miteinander verwoben waren. Für Besucher ist das Museum ein lohnender Anlaufpunkt bei jedem Wetter – und ein guter Schlüssel, um die Region jenseits ihrer Wälder zu verstehen.

Ein Tipp für die Planung: Aktuelle Öffnungszeiten und Sonderausstellungen finden Sie auf der Website des Museums; da kleinere Häuser ihre Zeiten saisonal anpassen, lohnt der Blick vor der Anreise. So lässt sich der Besuch ideal mit einer Wanderung oder Radtour durch die Wälder der Umgebung verbinden – Kultur am Vormittag, Natur am Nachmittag.

Übernachten in Weißwasser: ruhige Basis für Ausflüge in die Umgebung

Bei der Wahl der Unterkunft kommt es in dieser Region vor allem auf zwei Dinge an: eine ruhige Lage und ein Zuhause-Gefühl nach langen Stunden unter freiem Himmel. Die Pension Madlen in Weißwasser verbindet beides auf unkomplizierte Weise. Das Haus liegt ruhig, die Zimmer sind geschmackvoll eingerichtet, und ein eigenes Restaurant sorgt dafür, dass Sie abends nicht mehr nach einer Gaststätte suchen müssen. Gerade diese Kombination aus Übernachtung und Gastronomie unter einem Dach macht den Aufenthalt entspannt planbar – vom Frühstück am Morgen bis zum Abendessen nach einem Tag im Grünen.

Von Weißwasser aus lassen sich zudem mehrere der lohnendsten Ausflugsziele der Oberlausitz bequem erreichen. Nur rund zwanzig Kilometer entfernt liegt Bad Muskau mit dem Fürst-Pückler-Park, der als deutsch-polnischer Landschaftspark zum UNESCO-Welterbe zählt und zu jeder Jahreszeit ein lohnendes Ziel ist. Der Berzdorfer See bei Görlitz – selbst ein ehemaliges Tagebaurestloch, heute einer der größten Seen der Region – lockt mit Badestellen, Uferwegen und einem weiten Blick übers Wasser. Und Görlitz selbst überrascht viele Gäste mit einer Altstadt, in der Bauwerke aus fünf Jahrhunderten in ungewöhnlicher Dichte erhalten geblieben sind.

Auch der Azaleen- und Rhododendronpark Kromlau liegt in erreichbarer Nähe; seine Rakotzbrücke gehört zu den beliebtesten Fotomotiven der gesamten Grenzregion. Damit sich all diese Ziele ohne Hetze verbinden lassen, empfiehlt sich ein Aufenthalt von mindestens zwei oder drei Nächten. Eine ruhig gelegene Pension mit eigenem Restaurant bietet dafür den passenden Rahmen: morgens gestärkt starten, tagsüber Wald, Wasser und Kultur erkunden, abends ohne lange Wege zu Tisch sitzen.

Fazit: Ein Kurztrip in die Lausitz lohnt sich

Die Oberlausitz muss den Vergleich mit den Alpen nicht scheuen – sie setzt schlicht auf andere Stärken. Endlose Wälder statt Gipfelstürmen, sorbische Tradition statt Almhüttenromantik, die faszinierende Geschichte des Glases statt Seilbahntickets: Weißwasser ist ein Reiseziel mit eigenem Charakter, das Neugierige mit Ruhe und Substanz belohnt. Dazu kommen Ausflugsziele wie der Muskauer Park, Kromlau oder die Görlitzer Altstadt, die den Aufenthalt abwechslungsreich machen.

Ein Kurztrip in die Lausitz lässt sich dabei unkompliziert planen: Eine Unterkunft wie die Pension Madlen bildet die ruhige Basis, das Glasmuseum den kulturellen Auftakt, und die Natur rund um die Stadt tut ihr Übriges. Vielleicht ist genau jetzt der richtige Moment, den nächsten Urlaub einmal nicht Richtung Süden, sondern Richtung Osten zu denken. Die grüne Seite Sachsens wartet schon – und sie hat weit mehr zu erzählen, als man auf den ersten Blick vermutet.
20.08.2026
© Die-Allgäuseiten.de, Markus Hannig, 2004-2026
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